Muriel Barbery – Die Eleganz des Igels

9 Apr

Barbery 2008 - Die Eleganz des Igels (2)

Klappentext:

„Ich heiße Renée. Ich bin vierundfünfzig Jahre alt. Seit siebenundzwanzig Jahren bin ich Concierge in der Rue de Generelle 7, einem schönen herrschaftlichen Stadthaus mit Innenhof. Ich bin Witwe, klein, häßlich, mollig, ich habe Hühneraugen und in gewissen Morgenstunden einen Mundgeruch wie ein Mammut. Doch vor allem entspreche ich so genau dem Bild, das man sich von den Conciergen macht, dass niemand auf die Idee käme, ich könnte gebildeter sein als all diese selbstgefälligen Reichen.“

„Ich heiße Paloma, bin zwölf Jahre alt, ich wohne in der Rue Generelle 7 in einer Wohnung für Reiche. Meine Eltern sind reich, meine Familie ist reich, und meine Schwester und ich sind folglich potentiell reich. Doch ich weiß schon lange, dass die Endstation das Goldfischglas ist, die Leere und der Unsinn des Erwachsenenlebens. Warum ich das weiß? Der Zufall will, dass ich sehr intelligent bin. Daher habe ich meinen Entschluss gefasst: Am Ende dieses Schuljahres, an meinem dreizehnten Geburtstag, werde ich Selbstmord begehen.“

Renée, die Concierge und Paloma, das zwölfjährige Mädchen erzählen hier abwechselnd und sehr philosophisch aus ihrem Leben. Manchmal war es mir ein wenig zu philosophisch, zu abgehoben, aber insgesamt waren mir die beiden sehr sympathisch und ich habe ihre Sicht auf die Welt gern gelesen. Es ist berührend und unterhaltsam, manchmal komisch oder faszinierend. Viele Absätze regen zum Nachdenken an. So zum Beispiel auch dieser Absatz über die Angst vor dem Morgen:

„Doch wenn man das Morgen fürchtet, dann darum, weil man nicht fähig ist, die Gegenwart aufzubauen, und wenn man nicht fähig ist, die Gegenwart aufzubauen, redet man sich ein, dass man es morgen tun könne, und das geht nicht auf, weil morgen schließlich immer heute wird.“

Wie wahr! Ich habe bestimmt nicht jeden Gedankengang so gut nachvollziehen können, vermutlich auch nicht alles verstanden, aber insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Die Charaktere sind schön beschrieben.  Den Hype um das Buch kann ich jedoch, wie so oft, nicht ganz nachvollziehen. Es ist ein schönes Buch, es hat jedoch auch seine Längen und manchmal hatte ich das Gefühl, der Wunsch der Autorin, möglichst viele intelligente, philosophische Sätze aneinander zu reihen war einfach zu groß…

Da sowohl Renée als auch Paloma gerne lesen, gab es natürlich auch einiges zum Thema  Literatur zu sagen. Das möchte ich euch nicht vorenthalten. Die zwölfjährige Paloma überlegt:

„Was wäre, wenn die Literatur ein Fernseher wäre, in den wir gucken, um unsere Spiegelneuronen zu aktivieren und uns für wenig Geld das prickelnde Gefühl der Aktion zu verschaffen? Und was, schlimmer noch, wenn die Literatur ein Fernseher wäre, der uns alles zeigt, was wir verpassen?“

Sind wir vielleicht tatsächlich manchmal so sehr mit Lesen, mit dem Eintauchen in andere Welten, beschäftig, dass unser eigenes Leben in den Hintergrund tritt? Dass wir nicht mehr selbst aktiv sind, sondern nur noch in den Geschichten, den Schicksalen anderer, leben? Versteht das nicht falsch, ich fordere hier nicht dazu auf, weniger zu lesen. Nichts liegt mir ferner als das. Ich fordere dazu auf, darüber nachzudenken und das eigene Leben bewusster wahrzunehmen.  Sich bewusst zu machen ob etwas zu kurz kommt, während wir lesen und was dies ist. Nicht, um darauf hin das Lesen einzustellen, sondern um bewusst zu entscheiden, ob es das wert ist. Für mich heißt das konkret: Wenn ich lese statt fernzusehen oder sinnlos im Netz zu surfen, dann ist das vollkommen in Ordnung für mich. Lese ich aber während ich eigentlich Zeit mit meiner Familie oder meinen Freunden verbringen könnte, dann sollte ich meine Lesezeit so legen, dass weniger wichtige Dinge darunter leiden. Die Hausarbeit zum Beispiel 😉 Jeder entscheidet natürlich selbst, was ihm wichtig ist.

Und zum Schluss auch noch ein schönes Zitat über die Literatur:

Denn gibt es eine edlere Ablenkung, nicht wahr, eine unterhaltsamere Gesellschaft, eine angenehmere Trance als die Literatur?

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