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Lorenza Gentile – Teo

7 Mai

 

Übersetzung: aus dem italienischen von Annette Kopetzki

Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag(2015)

Hardcover: 195 Seiten

ISBN: 978-3-423-28051-8

Über die Autorin: Lorenza Gentile (1988 in Mailand) hat Drama und Theaterwissenschaften in London studiert und die internationale Theaterschule Jacques Lecoq in Paris besucht. “Teo” ist ihr erster Roman.

Klappentext:

Ein kleines Buch über die großen Dinge des Lebens

Ich heiße Teo, ich bin acht Jahre alt und ich will mit Napoleon reden. Ich muss eine sehr wichtige Schlacht gewinnen, und er ist der einzige, der mir dabei helfen kann. Aber wenn ich mit ihm reden will, muss ich sterben, denn Napoleon ist schon tot.

Meine Meinung:

Ein sehr schönes Büchlein über die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Der achtjährige Teo weiß, dass seine Familie nicht glücklich ist und möchte dies ändern. Von seinem Vater hat er gelernt, dass es sich lohnt für das zu kämpfen, was einem wichtig ist. Und am allerwichtigsten ist ihm, dass seine Eltern aufhören zu streiten. Doch was kann er dagegen tun? Er beschließt Napoleon zu fragen; denn Napoleon hat viele Schlachten angeführt und alle gewonnen. So macht sich der achtjährige auf die Suche nach seinem Helden. Lorenza Gentile beschreibt hier aus Sicht des kleinen Teo sehr anrührend seine Recherchen zu den Fragen: Wo ist der 1821 verstorbene Napoleon jetzt? und: Wie kann ich zu ihm gelangen? Dabei kommen weitere Fragen auf, wie: Muss ich selbst sterben um einen Toten zu treffen. Gibt es Himmel und Hölle oder die Reinkanation, oder kommt nach dem Tod einfach nichts? Das Buch findet ein unerwartet schönes Ende, was mir gut gefallen hat.
Einen Kritikpunkt muss ich jedoch äußern: Das Cover hätte mich nicht dazu bewogen dieses Buch in die Hand zu nehmen. Es wirkt langweilig und lässt einen an trockene, seriöse Literatur denken. Das Buch jedoch ist das Gegenteil von trocken. Es bringt einen Zeilenweise zum Schmunzeln, andere Passagen regen zum Nachdenken an. Es ist sehr schnell gelesen, bleibt aber lange im Gedächtnis. Eine absolute Empfehlung!

Herz Herz Herz Herz

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Buddhadeva Bose – Das Mädchen meines Herzens

28 Apr

Basu, Thompson 2010 - Das Mädchen meines Herzens

Originaltitel: moner mato meye (1951)
(wörtlich: Ein Mädchen nach meinem Herzen)

Übersetzung: aus dem bengalischen von Hanne-Ruth Thompson

Genre: Novelle
Verlag: Ullstein (2010)
Gebundene Ausgabe: 181 Seiten
ISBN: 978-3550088131

Klappentext:

Vom Zauber der heimlichen Liebe. Vier Männer sitzen in einer bitterkalten Nacht auf einem Bahnhof fest und warten auf die Weiterfahrt am folgenden Morgen. Um sich die Zeit zu vertreiben, erzählt jeder von ihnen die Geschichte seiner ersten Jugendliebe. Zeitlos elegant und mit einem Hauch Melancholie hält Buddhadeva Bose in vier Varianten die magische Zeit des Verliebtseins fest – und entführt uns in unser eigenes Herz.

Meine Meinung:

Wer hier Liebesgeschichten á la Hollywood (oder Bollywood) erwartet, der wird enttäuscht. In Das Mädchen meines Herzens werden vier realistische Liebesgeschichten zum Teil sehr nüchtern erzählt. Die Geschichten sind sehr unterschiedlich und nicht jede von ihnen führt zu einem glücklichen Ende. Ich denke gerade deswegen haben mich diese Geschichten so berührt.

Besonders interessant wird dieses Buch durch den für uns exotischen Hintergrund einer Gesellschaft in der Ehen arrangiert werden und die Liebe ganz selbstverständlich heimlich und unerfüllt bleibt.

Fazit:

Diese Novelle vereint vier schöne, exotische Liebesgeschichten, die ans Herz gehen.

Herz Herz Herz Herz

Über den Autor:

Buddhadeva Bose (1908 – 1974) zählt neben Rabindranath Tagore zu den wichtigsten bengalischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Er studierte englische Literatur und gilt als Pionier, Vermittler und Förderer von Literatur, im bengalisch-nationalen wie im internationalen Kontext.

Corina Bomann – Der Mondscheingarten

10 Apr

9783548285269_1Klappentext:

„Die Antiquitätenhändlerin Lilly hat keine Ahnung von Musik, und doch deutet vieles darauf hin, dass die Stargeigerin Rose Gallway ihr ein Vermächtnis hinterlassen hat, dem Lilly sich nicht entziehen kann und das ihr Leben für immer verändern wird…“

Eines Tages kommt ein alter Mann in den Antiquitätenladen und überreicht Lilly eine alte Geige mit den Worten: Sie gehört Ihnen. Schneller als Lilly reagieren kann ist der Mann auch schon wieder verschwunden und Lilly bleibt mit dem Rätsel um die Geige allein. Mit Hilfe ihrer Freundin Ellen und dem Leiter der Faraday School of Music kommt Lilly dem Geheimnis nach und nach auf die Spur.

Zunächst klang das Buch sehr vielversprechend. Die Geschichte hat mich sehr in ihren Bann gezogen, ich wollte wissen, was aus Rose Gallway geworden ist, wie Helen Carter in den Besitz der Geige gelangt ist und vor allem warum der alte Mann der Meinung war, sie gehöre Lilly. Doch nach und nach hat mich das Buch enttäuscht. Ich fand zunächst nur den Schreibstil nicht schön. Es wirkte auf mich wie eine schlechte Übersetzung…naja, aber da war ich noch fasziniert von der Geschichte und wollte wissen, wie es weitergeht. Doch gegen Ende, war ich auch von der Story enttäuscht. Am Ende war es einfach zu viel des Guten. Achtung Spoiler! Nicht nur, dass die berühmte Geigerin Lillys Vorfahrin war (das konnte man natürlich ahnen), nein, am Ende stellt sich auch noch raus, dass Lilly und Ellen Cousinen sind. Viel zu viel für meinen Geschmack, dass hat mir das Buch entgültig verdorben. Ich bin echt enttäuscht und würde es nicht weiter empfehlen.

Muriel Barbery – Die Eleganz des Igels

9 Apr

Barbery 2008 - Die Eleganz des Igels (2)

Klappentext:

„Ich heiße Renée. Ich bin vierundfünfzig Jahre alt. Seit siebenundzwanzig Jahren bin ich Concierge in der Rue de Generelle 7, einem schönen herrschaftlichen Stadthaus mit Innenhof. Ich bin Witwe, klein, häßlich, mollig, ich habe Hühneraugen und in gewissen Morgenstunden einen Mundgeruch wie ein Mammut. Doch vor allem entspreche ich so genau dem Bild, das man sich von den Conciergen macht, dass niemand auf die Idee käme, ich könnte gebildeter sein als all diese selbstgefälligen Reichen.“

„Ich heiße Paloma, bin zwölf Jahre alt, ich wohne in der Rue Generelle 7 in einer Wohnung für Reiche. Meine Eltern sind reich, meine Familie ist reich, und meine Schwester und ich sind folglich potentiell reich. Doch ich weiß schon lange, dass die Endstation das Goldfischglas ist, die Leere und der Unsinn des Erwachsenenlebens. Warum ich das weiß? Der Zufall will, dass ich sehr intelligent bin. Daher habe ich meinen Entschluss gefasst: Am Ende dieses Schuljahres, an meinem dreizehnten Geburtstag, werde ich Selbstmord begehen.“

Renée, die Concierge und Paloma, das zwölfjährige Mädchen erzählen hier abwechselnd und sehr philosophisch aus ihrem Leben. Manchmal war es mir ein wenig zu philosophisch, zu abgehoben, aber insgesamt waren mir die beiden sehr sympathisch und ich habe ihre Sicht auf die Welt gern gelesen. Es ist berührend und unterhaltsam, manchmal komisch oder faszinierend. Viele Absätze regen zum Nachdenken an. So zum Beispiel auch dieser Absatz über die Angst vor dem Morgen:

„Doch wenn man das Morgen fürchtet, dann darum, weil man nicht fähig ist, die Gegenwart aufzubauen, und wenn man nicht fähig ist, die Gegenwart aufzubauen, redet man sich ein, dass man es morgen tun könne, und das geht nicht auf, weil morgen schließlich immer heute wird.“

Wie wahr! Ich habe bestimmt nicht jeden Gedankengang so gut nachvollziehen können, vermutlich auch nicht alles verstanden, aber insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Die Charaktere sind schön beschrieben.  Den Hype um das Buch kann ich jedoch, wie so oft, nicht ganz nachvollziehen. Es ist ein schönes Buch, es hat jedoch auch seine Längen und manchmal hatte ich das Gefühl, der Wunsch der Autorin, möglichst viele intelligente, philosophische Sätze aneinander zu reihen war einfach zu groß…

Da sowohl Renée als auch Paloma gerne lesen, gab es natürlich auch einiges zum Thema  Literatur zu sagen. Das möchte ich euch nicht vorenthalten. Die zwölfjährige Paloma überlegt:

„Was wäre, wenn die Literatur ein Fernseher wäre, in den wir gucken, um unsere Spiegelneuronen zu aktivieren und uns für wenig Geld das prickelnde Gefühl der Aktion zu verschaffen? Und was, schlimmer noch, wenn die Literatur ein Fernseher wäre, der uns alles zeigt, was wir verpassen?“

Sind wir vielleicht tatsächlich manchmal so sehr mit Lesen, mit dem Eintauchen in andere Welten, beschäftig, dass unser eigenes Leben in den Hintergrund tritt? Dass wir nicht mehr selbst aktiv sind, sondern nur noch in den Geschichten, den Schicksalen anderer, leben? Versteht das nicht falsch, ich fordere hier nicht dazu auf, weniger zu lesen. Nichts liegt mir ferner als das. Ich fordere dazu auf, darüber nachzudenken und das eigene Leben bewusster wahrzunehmen.  Sich bewusst zu machen ob etwas zu kurz kommt, während wir lesen und was dies ist. Nicht, um darauf hin das Lesen einzustellen, sondern um bewusst zu entscheiden, ob es das wert ist. Für mich heißt das konkret: Wenn ich lese statt fernzusehen oder sinnlos im Netz zu surfen, dann ist das vollkommen in Ordnung für mich. Lese ich aber während ich eigentlich Zeit mit meiner Familie oder meinen Freunden verbringen könnte, dann sollte ich meine Lesezeit so legen, dass weniger wichtige Dinge darunter leiden. Die Hausarbeit zum Beispiel 😉 Jeder entscheidet natürlich selbst, was ihm wichtig ist.

Und zum Schluss auch noch ein schönes Zitat über die Literatur:

Denn gibt es eine edlere Ablenkung, nicht wahr, eine unterhaltsamere Gesellschaft, eine angenehmere Trance als die Literatur?

David Nicholls – Keine weiteren Fragen

21 Mrz

Nicholls 2007 - Keine weiteren Fragen (2)

Klappentext:

„Er will zu klassischen Konzerten gehen können, will wichtige Dinge sagen, exotische Speisen essen, mit schönen Frauen schlafen, am besten bei Tag. Doch die Mannwerdung gestaltet sich für Brian Jackson mühsamer als erhofft.“

Ich habe dieses Buch nur zur Hand genommen, weil mir „Zwei an einem Tag“ von David Nicholls so gut gefallen hat. Das Thema dieses Buches hat mich ehrlich gesagt weniger interessiert. Umso begeisterter war ich davon wie David Nicholls diese Geschichte erzählt.

Brian zieht nach der Schulzeit zu Hause aus, mietet sich in eine WG an seinem Studienort ein und lernt einen Haufen skurriler Typen kennen. Brian ist der typische Streber und hat in Sachen Liebe nicht viel Erfahrung.  Als er versucht eine Frau zu erobern, geht natürlich so einiges schief. Es ist absolut komisch! Er interpretiert alles was Alice sagt und tut falsch, überschätzt sich oft und tritt in jedes Fettnäpfchen. Dabei ist er aber die ganze Zeit so herrlich selbstironisch. Mir hat das Buch richtig gut gefallen. Fazit: Sehr lustig!

Jonas Jonasson – Der Hunderjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

12 Jan

100

Zu Recht ist dieses Buch ein Bestseller. Allan steigt an seinem 100. Geburtstag im Altenheim aus dem Fenster seines Zimmers und verschwindet. Er hat keine Lust auf die für ihn geplante Geburtstagsfeier, auf die Rede des Bürgermeisters auch nicht und schon gar nicht auf Schwester Alice. Also läuft er zum Busbahnhof und verschwindet. Was sich dann ereignet erinnert sehr an einen Roadmovie. Sehr unterhaltsam und lustig erzählt, erfährt man nun was Allan auf seiner Reise widerfährt und in der Rückschau auch was Allan in seinem langen Leben bereits erlebt hat.  Und ganz nebenbei wird man auch über politische und geschichtliche Ereignisse informiert. Obwohl Allan sich absolut nicht für Politik interessiert, spielt er doch eine große Rolle in vielen politischen Ereignissen und trifft immer rein zufällig auf politische Größen wie Truman, Stalin und viele mehr.  Ich kann dieses Buch uneingeschränkt weiterempfehlen.